Unsere Johanneskirche

 

 

Im Jahr 2003 konnten wir das 50 jährige Jubiläum unserer Kirche feiern.

 

 

Beschreibung Kruzifix und Kirchenfenster



Die Johanneskirche beeindruckt durch ihre schlichte, klar gegliederte und doch imponierende Gestaltung. Viele in der Stadt sagen heute, dass diese Kirche besonders gut gelungen sei. Sparsam in den Mitteln, aber stark im Ausdruck. So, wie es einer evangelischen Kirche wohl ansteht. Beeindruckend sind das Altarkreuz und die Fenster im Altarraum und an den Seitenwänden – künstlerische Zeugnisse des Glaubenslebens.

Das Kruzifix, gestaltet von Helmut Uhrig, trägt eindeutig romanische Züge in sich. Es könnte, auf unsere Heimat bezogen, einen Platz in der Klosterkirche Alpirsbach oder in der Stiftskirche Faurndau haben. Hier ist in klaren Formen ein Christus dargestellt, der die Welt, durch alle Dunkelheit hindurch, überwunden hat. Wenn man vor diesem Kreuz steht, könnte man meinen, es beginne zu reden, zu sagen: "Betrachter gehe deinen Weg, zuversichtlich und ohne Angst". Vielleicht wollte der Künstler der Gemeinde einen Hinweis geben, das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden zu lernen.


Nehmen Sie sich Zeit und schauen Sie die Glasfenster in aller Ruhe an. Sie sind Verkündigung durch den Spiegel des Lichts. Die beiden kleinen Fenster sind Werke von Wolf-Dieter Kohler. Beeindruckend durch ihre Einfachheit, vergleichbar mit Bilderbibeln des Mittelalters.
Dargestellt ist das Leben Johannes des Täufers. Er weist am Ende seines Lebens auf einen anderen hin – Jesus.

Johannes ist der letzte große Prophet des Alten Testaments, vergleichbar mit dem Propheten Amos. Er scheut sich nicht, die Wahrheit zu sagen, nennt die Dinge mit Namen. So, wie beispielsweise Jan Hus es getan hatte: Hus wurde verbrannt, Johannes enthauptet. Diese Fenster rufen auf zum Schrei nach Gerechtigkeit, auch heute und jetzt.

Das große Fenster im Altarraum, von Adolf Saile geschaffen, ergänzt die kleinen Fenster auf eine Art, die dem Evangelisten entspricht: Andere Formen, andere Farben, anderes Licht. Als letztes der Evangelien wurde das des Johannes um 100 n.Chr. geschrieben. Johannes war vermutlich kein Zeitgenosse Jesu. Aber die Theologie des Johannes entspricht der Botschaft Jesu. Das Johannesevangelium beginnt mit folgenden Worten: "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort."

Die zwölf Felder des Fensters sind klar gegliedert. Links und rechts außen: Grundfarbe rot, in der Mitte (Leidensgeschichte) Grundfarbe blau. Rot ist für mich das Zeichen der Tat, blau der
Aufbruch in neue Räume durch die Nacht hindurch, in die Bereiche des Ewigen.

Alle Felder des Fenster zu besprechen, würde den Rahmen übersteigen.

Das Fenster oben links hat es mir angetan: Das Gespräch Jesu mit Nikodemus. Bei Nacht sucht Nikodemus, ein Pharisäer, Jesus auf. Er möchte die Wahrheit wissen. Nikodemus will erfahren, was es mit Jesus auf sich hat. In diesem nächtlichen Gespräch macht Jesus deutlich, dass die Wahrheit allein in Gott begründet ist. Diese Wahrheit hat im Glauben ihren Ursprung. Nikodemus geht nicht enttäuscht, denn Jesus gibt ihm Folgendes mit auf den Weg: "Der Wind bläst, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl. Aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist."

Der Theologe Paul Tillich sagte einmal, und da sind wir ganz nahe bei diesem nächtlichen Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus: "Glaube ist das Ergriffensein von dem, was mich angeht."
Lassen wir uns anstecken von den Glasfenstern und vom Kruzifix, den eigenen Glauben zu finden.