Geschichte

Grund zum Jubeln haben wir als Evang. Gemeinde in Wernau, dass die Plochinger Kirchengemeinde, deren Anhängsel die Wernauer Gemeinde war, vor mehr als 50 Jahren den Bau unserer Johanneskirche beschlossen hat.

 

Dass die Entscheidungsträger vorrausschauend waren bestätigt das schnelle Wachstum der Gemeinde bis zum Tage der Einweihung auf ca. 1000 Gemeindeglieder. 5 Jahre zuvor waren es gerade mal ca. 450  Gemeindeglieder.

 

Es wurde der Plochinger Gemeinde immer deutlicher, dass sie gegenüber diesen aus fast allen Himmelsrichtungen zusammengewürfelten Flüchtlingen, Evakuierten und Umgesiedelten, als neue Gemeinde in der Zerstreuung, eine besondere Verantwortung hat. Deshalb hat Plochingen zunächst darauf verzichtet ihr dringend benötigtes Gemeindehaus zu bauen. Die neue Kirche sollte zum Zentrum und zur Identifikation für diese evang. Menschen in Wernau werden. Das Bemühen um einen Bauplatz war von Erfolg gekrönt.  Der Gemeinderat der Stadt hat der Kirchengemeinde einen damals von der Lage her bevorzugten Platz auf der Höhe angeboten, um den sie auch beneidet wurde. Dem Bauvorhaben wurde dann im Jahre 1950 zugestimmt.

 

Es ist heute kaum vorstellbar, dass dieser Platz damals fast freies Feld war und die Bebauung drum herum erst später einsetzte. In Anlehnung an die gedanklichen Höhenflüge des Evangelisten Johannes, der ja als Adler symbolisiert wird, soll die Kirche in exponierte Lage auf dem Berg, über Neckar- und Filstal ihren Namen Johanneskirche bekommen haben.

 

Mit der Maßgabe, mit geringen Mitteln eine schlichte und doch genügend weiträumige Kirche zu schaffen wurde der Stuttgarter Architekt Dr. Ruff beauftragt. Die Grundsteinlegung er-folgte dann im Juni 1952.

 
Ein kleiner Turm soll wegen der Schlichtheit des „Versammlungsraumes“, diesen als Kirche kennzeichnen und etwas betonen. Übrigens ein Gegenstand über den angeblich in Wernau und Plochingen viel diskutiert -um nicht zu sagen auch gespottet-  wurde. Die Baudurchführung mit weitgehend örtlichen Handwerkern lag in den Händen des Wernauer Architekten Gerold Reutter und der Baufirma Schweizer. Eine grö-ßere Diskussion erhob sich wohl darüber ob eine ev. Kirche von einem kath. Bauunternehmer und Architekten gebaut werden dürfe. Aber die evang. Gemeinde entschloss sich dann letztlich, den Samen für eine Ökumene in Wernau zu legen.

 

Dass der Wernauer Gemeinde und nicht nur ihr dieser Kirchbau am Herzen lag belegen die zahlreichen Spenden von Gemeindegliedern, von Witwen, Flüchtlingen und auch katholischen  Mitchristen. Dies geht aus dem Einweihungsgrußwort des damaligen Pfarrers Otto Kehr aus Plochingen hervor. Auch der Name Heinrich Ritter, in dessen Fabriksaal bis dahin evangeli-sche Gottesdienste stattfanden wird in diesem Zusammenhang erwähnt. Natürlich stand der ganze Kirchenbezirk Esslingen ebenfalls mit Spenden und Opfern hinter dem Projekt. Als Überraschung wird von einer größeren Spende einer amerikanischen Gemeinde in Stuttgart berichtet. Besonders zu erwähnen ist das Gustav-Adolf-Werk mit seiner finanziellen Zuwendung, welches ja bis heute Gemeinden in der weltweiten Diaspora unterstützt. Ein unermüdlicher Spendeneinsammler muss wohl Pfarrer Lackner gewesen sein, der speziell Wernau betreute.

 

Eine Episode erzählte Frau Wildermann:

Als sie mit ihrem Mann Wernau zu Fuß unterwegs war,  begegnete ihnen Pfr. Lackner, aus Wernau kommend. Auf die Frage woher er denn so spät käme war die Antwort „vom Spenden einsammeln aus Wernau. Man könne nicht nur zu den Leuten kommen und um Spenden betteln, da muss man sich schon auch auf einen längeren Besuch einlassen“.

 

Gerade auch die unerwarteten Spenden und Opfer waren es, welche zur Ausschmückung der schlichten Kirche beitrugen. So war es möglich den Blickfang des Chorfensters in Auftrag zu geben und ebenso das Kruzifix, welches sich als überraschende Darstellung, gegenüber dem herkömmlich Gewohnten entpuppte. Über diese Werke wird an anderer Stelle berichtet.

 

Am 8. März 1953 war dann die Freude groß, als dieses Bauwerk eingeweiht werden konnte. Hier verweise ich auf den Bericht der Esslinger Zeitung vom Montag den 9. März 1953.

 

Die 50 Jahre sind nicht spurlos an dem Gebäude vorbeigegangen. So haben sich nach 20 Jahren erste Schäden gezeigt, die sicher auch auf  die Bauweise mit begrenzten Mitteln von damals zurückzuführen sind. Ein erstes facelifting ist notwendig geworden und dem Baukörper wurde in Form mehrerer außen angesetzter Betonstützstreben ein Korsett verpasst.

 

Leider war auch diese Maßnahme nur von relativ kurzem Erfolg, denn nach weiteren 15 Jahren zeigten sich erneut Risse in den Wänden. So musste wieder über die Ursache der Schäden nachgedacht werden. Nun wurde das Fundament unter die Lupe genommen und unter der sachkundigen Leitung von Dipl.Ing. Stephan Bredschneider trocken gelegt.


Da die heute bestehenden Gemeinderäume sich inzwischen als zu eng erwiesen, um Feste mit der gesamten Gemeinde zu feiern oder größere Veranstaltungen durchzuführen hat sich der Kirchengemeinderat seit dem Jahr 1980 intensiv mit einem Saalbauprojekt beschäftigt. Dabei kristallisierte sich immer mehr eine Lösung, unter Einbeziehung der Johanneskirche heraus. 15  Jahre hat es dann gedauert bis die heutige Jubiläumsform unter der Planung des Architekturbüros Barth aus Esslingen zustande kam, Jahre heftiger Diskussionen über die Lösungsvorschläge.

 

Wie vor 50 Jahren waren wir auch für dieses Vorhaben auf großzügige und kleine Spenden unserer Gemeindeglieder angewiesen. Viele fleißige Hände haben während der Umbaufase im Groben und Feinen mitgeholfen. Im Frühjahr 1996 durften wir dankbar die renovierte, umgestaltete und aufs neue baulich stabilisierte Johanneskirche einweihen.

 

Gefreut haben wir uns über die Möglichkeit, die vertrauten Kirchenbänke einer russischen Gemeinde in Samara schenken zu können, wo sie heute ihren Dienst tun.

 

Vielfältig hat sich der Umbau inzwischen bewährt und wir hoffen und wünschen, dass in unsere Johanneskirche segensreich weiter Gottes Wort verkündigt wird, dass in ihr gefeiert, gefreut, gelebt wird, dass sie Stätte der Begegnung für Jung und Alt in der Gemeinde und Ökumene bleibt.                                 

  
Wolfgang Sieler