Gemeindebrief Winter 2009

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Den folgenden Text haben wir von Egbert Hensel bekommen, vielen Dank dafür.

Ein Kind, eine Krippe, Engel und Hirten.

Gottes Sohn, von den Propheten als Messias angekündigt, bricht unglaublich in diese triviale Welt ein. Er kommt nicht als Mächtiger, sondern als Machtloser, nicht als Großer, sondern als Kleiner, nicht mit einem unabweisbaren Herrschaftsanspruch, sondern als Kind einer entthronten Familie. Er baut nicht den realen Tempel wieder auf, sondern er ist der Tempel, der in drei Tagen abgerissen und wieder aufgebaut wird. Verfolgt von Geburt an, vergilt er nicht Gleiches mit Gleichem.

Er wird gezeugt durch den Heiligen Geist, geboren von einer Jungfrau. Er ist der neue Adam, der den alten Adam ablöst: Dieser brachte Sünde, Schuld und Tod in diese Welt. Christus hingegen bringt Erlösung und das ewige Leben. Die aus dem Paradies vertriebenen Menschen werden durch Gottes Sohn mit dem Vater sprichwörtlich „versöhnt“, d. h. wieder an Sohnes statt angenommen.


Das alte „Volk Gottes“, die Israeliten, werden durch die Engel an die Krippe gerufen. Sie werden - nicht ohne Hintersinn - repräsentiert durch Hirten, die damalige Unterschicht. Die Heiden werden durch eine Naturerscheinung, den Stern von Betlehem, an die Krippe geführt. Hierhin kommen die Repräsentanten der Oberschicht, Intellektuelle, die den weiten Weg nicht gescheut haben, um Jesus Christus als Messiaskönig zu verehren. An der Krippe steht dann noch die vermeintlich unvernünftige Natur, vertreten durch Ochs und Esel. Sie verdeutlichen, dass „die Seinen“ Christus zwar nicht aufgenommen haben, aber die Schöpfung Gott als Gott erkannt hat. Die Geburt in einer Höhle, die mit einem stallartigen Vorbau gedacht werden kann.

Die Krippe symbolisiert die ganze defizitäre Situation der göttlichen Geburt: Nicht einmal ein Babybettchen ist vorhanden. Der Neugeborene wird in eine Futterkrippe gelegt. In Windeln eingeschnürt (faschiniert), wie Kinder in einigen Teilen der Welt noch heute gewickelt werden, symbolisieren Jesu Windeln bereits sein Leichentuch: Der hier liegt, ist nicht ein niedliches Kindchen, sondern der, der für uns stirbt, um uns das ewige Leben zu erwirken.

Kreuz und Krippe bilden eine Einheit, - was in späteren Jahrhunderten immer wieder in Form von Erzählungen ausgedrückt wird, in denen das Holz der Krippe und des Kreuzes identisch sind.


Mit der Geburt Jesu ändert sich die reale Geschichte: Der Anfang vom Ende beginnt, das Reich Gottes - das die Juden in ganz anderer, machtvoller Form erwarteten - gewinnt in dieser Welt Gestalt. Es kommt kein Feuersturm, der die Heiden vernichtet und das Judentum zum Sieger ausruft. Der Sohn Gottes bildet das Volk Gottes neu: Wer sich zu ihm bekennt, der darf auf Erlösung hoffen. Umkehr, Nachfolge, das sind Worte aus dem Programm Jesu. Gott, den die Philosophen und die Theologen gerne als „den ganz anderen“ definieren, kommt den Menschen wirklich ganz anders: Er wird wie sie, er lebt wie sie, und doch weist er über sich als menschliche Existenz hinaus, ist Mensch und Gott zugleich.

 

In der Geburtserzählung und ihrer Rahmenhandlung ist die ganze Geschichte der Erlösungstat Christi bereits in nuce vorhanden. Die Geburt Christ ist pars pro toto für sein ganzes Wirken, ein Teil, aus dem Konzept und Sinn des Ganzen erkennbar sind.

 

Es ist natürlich, wenn das theologische Programm dieser göttlichen Geburt immer wieder „vermenschlicht“ wurde. Es war trostreich, einem Gott anzuhängen, der unter ebenso unwürdigen Umständen geboren wurde, wie

man selber lebte, oder aber es war romantisch, sich die Umstände auszumalen, die diese Geburt begleitet haben.

Die Geburtsszene hat jeder Epoche das ihre geboten.

Dennoch darf dies nicht davon ablenken, die theologischen Grundaussagen dieser Geburt hinter dem Vordergründigen zu übersehen.

 

Hier werden nicht frei verfügbare Elemente für eine jahreszeitlich geprägte folkloristische Konsum- und Gemütsorgie geliefert, sondern dahinter steht der ganze Ernst eines einmaligen Heilsangebotes, das zur Entscheidung aufruft:

Wenn dies der Sohn Gottes ist, kann das niemanden kalt lassen, hat dies Konsequenzen. Gott wird Mensch, damit der Mensch Gott näher kommt. Menschliches Leben hat damit ein neues Ziel, menschliches Tun neues Gewicht. Gott will, dass der Mensch ihm nahe kommt.