Unten sehen Sie die Bilder vom Fest !!!

50 Jahre Selbständigkeit der Evangelischen Kirchengemeinde Wernau

Selbständigkeit ist in unserer Gesellschaft ein hohes Gut das Unabhängigkeit verspricht aber auch eigenständiges, verantwortungsvolles Handeln einfordert. Diesen Übergang erfuhr die evangelische Kirchengemeinde in Wernau am 1. April 1959. Eine bis dahin auf ca. 2300 evangelische Personen angewachsene Gemeinde wurde aus der Abhängigkeit von der größeren Muttergemeinde Plochingen entlassen. Aus der so genannten Pfarrverweserei, die im August 1956 als ständig eingerichtet und mit Pfarrer Eberhard Gramm von Plochingen aus betreut wurde, entsteht die neue eigenständige „Evangelische Kirchengemeinde Wernau“. Das weltliche Haus mit der Johanneskirche war schon seit 1953 bereitet, und 1958 konnte das nahe der Kirche stehende Einfamilienhaus des damaligen Bürgermeisters Friedrich Schönherr als Pfarrhaus erworben werden. Im Bau befand sich bereits der Johanneskindergarten, der 2 Monate später eingeweiht werden konnte und dessen 50-jähriges Bestehen wir im Juni feiern durften. Eine gewaltige finanzielle und körperliche Leistung welche die Gemeinde damals vollbracht und uns für heute und morgen überlassen hat. Hier wird Gründergeist sichtbar, wenn man die damaligen Haushaltsausgaben von ca. 50.000 DM, die lediglich mit ca. 12.500 DM aus Kirchensteuermitteln unterstützt wurden in Augenschein nimmt. Damit hatte die Gemeinde längst in hohem Maße Eigenverantwortlichkeit bewiesen. Ein erster eigener Wernauer ev. Kirchengemeinderat musste nun die Verantwortung übernehmen. Ihm gehörten 6 Kirchengemeinderäte und eine –rätin an. (A.Hipp, W.Müller, K.Schüssler, J.Schwarz, G. Tränkle, S.Vollprecht, G.Wildermann). Bis dahin waren lediglich 1 bis 3 Personen als Wernauer Vertreter in die Kirchengemeinderäte Plochingen und Bodelshofen gewählt. Die erste Wahl fand im Jahre 1889 in Bodelshofen statt, zu deren Gemeinde die etwa 65 Evangelischen, welche in Steinbach lebten, bis 1932 gehörten. Danach wurde die inzwischen auf ca. 150 Personen angewachsene Gemeinde in die Obhut nach Plochingen übergeben. Erste Gottesdienste fanden nun in Wernau 14-tägig im unteren Saal der kath. Schule statt. Die Gemeinde wuchs erst durch die bitteren Folgen des 2. Weltkriegs mit dem Zuzug von vielen vertriebenen Menschen aus ehemals deutschen Siedlungsgebieten im Osten und speziell durch die Umsiedlung der Junkerswerke aus Dessau schnell an. Parallel entwickelte sich ein aktives Gemeindeleben, sodass man im Jahr der Selbständigkeit bereits einen

10 Jahre bestehenden Kirchenchor feiern konnte, Kinderkirche hielt, es gab eine junge Gemeindegruppe, Männer- und Frauenkreis und einen Posaunenchor.

 

So war es damals – Und heute?

Die evang. Kirchengemeinde Wernau ist eine junge Gemeinde, nicht geprägt durch eine jahrhundertelange Tradition sondern durch Aufbruch, nicht durch alteingesessene Familien, sondern durch die bunte Vielfalt von Menschen, die aus den unterschiedlichsten Landeskirchen mit ihren Traditionen zu uns nach Wernau ziehen. Darin liegt eine große Herausforderung und eine große Chance. Die Herausforderung, in einem Dialog die eigene Identität, das eigene Profil der Kirchengemeinde zu finden und Gemeindeglieder, die neu in Wernau ankommen, in die Gemeinschaft zu integrieren. Diese Herausforderung ist zugleich eine Chance, Traditionen immer neu zu überdenken. Unsere junge evang. Kirchengemeinde ist eine der wenigen Gemeinden, deren Gemeindegliederzahl nicht sinkt sondern eher leicht zunimmt. Viele gesellschaftliche Entwicklungen haben das Gemeindeleben mitgeprägt, neue Aufgaben gestellt, im Bereich der Seelsorge, der Diakonie, der Familien- Jugend und Seniorenarbeit, der Verkündigung.

Viele Beziehungen sind in diesen 50 Jahren gewachsen, besonders zu unseren katholischen Schwesterngemeinden, zu Vereinen, zu der Stadt Wernau. Was sich aber im Kern nicht verändert hat ist unser Anliegen, Menschen den Zugang und die Freude am Glauben zu eröffnen, in einer Gemeinschaft, in der es um Menschen und Menschlichkeit geht, um eine Hoffnung, die über unsere Sorgen hinaussieht, um einen Lebenssinn, der nicht in den Alltagssorgen aufgeht, um einen Blick, der die Kranken, Sterbenden, Schwachen, am Rande stehenden nicht übersieht, um ein Engagement für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt und die Bewahrung dessen, was wir Schöpfung Gottes nennen. Es ist der Wunsch der Taufeltern, dass die Kinder in der Gemeinde einen Ort finden, an dem christliche Werte gelebt werden. Es ist ein bleibendes Anliegen, die alten Worte Jesu in unseren Gedanken und Taten lebendig werden zu lassen und ein großer Wunsch, dass Menschen sich dafür engagieren. Im ehrenamtlichen Engagement liegt der Reichtum unserer evang. Gemeinde, unserer evang. Kirche.